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Die „Nussgackl“-Lieder sowie die Texte der Lieder, die seinerzeit von den Geschwistern Winterer aus dem Raum Schwandorf gesungen wurden, wurden dabei schon damals von ver­schiedenen Gewährsleuten mehr oder weniger systematisch gesammelt, etwa von Manfred Langer und Alfred Wolfsteiner aus Schwandorf und Uli Otto aus Regensburg, dsgl. von Egin­hard König, der anlässlich einer Gedenkfeier für Otto Schricker, der im Jahr 2003 gestorben war, ein kommentiertes „Nussgackl“-Liederbuch zusammengestellt hat und seine Kommen­tare auch in dieses Kapitel der Website mit hat einfließen lassen. König hatte seit Wackers­dorf-Zeiten engere Kontakte zu Otto Schricker, und er war oftmals auch ein wichtiger Lieferant für historische und politische Sachverhalte, die mit in Otto Schrickers Texte eingeflossen sind. Martina Forster, die mit Eginhard König, Uli Otto, Otto Schricker und anderen zusammen auch schon am „Regensburg Liederbuch“ mitgearbeitet hatte, hatte sich damals dankenswerter­weise der Mühe unterzogen, die Melodien der „Nussgackl“-Lieder zu notieren und ihnen die aktuellen Texte zu unterlegen. Und Thomas Otto hat sich im Vorfeld unserer Webpage-Her­ausgabe ebenfalls einer Notierung der Noten unterzogen. Doch haben wir hier auf die Texte unmittelbar unterhalb der Noten verzichtet.

 Aus dem direkten geografischen Umfeld von Wackersdorf waren es vor allem die oben erwähnten Winterer-Schwestern, die – ursprünglich zusammen mit ihrem Vater – viele Lie­der zur sie ja direkt betreffenden WAA-Thematik sangen, die dabei oftmals der Feder von Franz Vohburger, damals Pressesprecher des SPD-Landrats Schuierer, einer Symbolfigur des Widerstandes, entstammten. Leider existieren von den Liedern der Geschwister Winterer of­fensichtlich keinerlei Tonträger aus jenen Jahren. Wie hierzu seitens der Gruppe selbst in einer E-Mail vom 20.04.2013 auf eine diesbezügliche Anfrage hin mitgeteilt wurde, „können wir Ihnen mit Tonträgern der Geschwister Winterer, soweit es die Anti-WAA-Gegnerschaft betrifft, nicht helfen. Bei angesagten Kundgebungen und Demos waren ‚die friedlichen Demonstran­ten‘ bei den damaligen Medien überhaupt nicht gefragt. Und somit gibt es aus dieser Richtung nichts zu finden, was von Interesse wäre. Die damaligen Berichterstatter stürzten sich wort­wörtlich stets auf einige, öffentlich wirksam schwarzgekleidete Randalierer und warteten auf deren Aktionen. Ab und zu übertraf die Anzahl der Medien die der Schwarzgekleideten. Um den damaligen riesigen Polizeieinsatz zu begründen, waren fried-liche Aktionen uninteres­sant. Und wenn was nicht passte, wurde es passend gemacht, indem man Geschehen aus dem Zusammenhang nahm und manchmal sehr dubiose Kommentare zu den Aktionen brachte. In unseren Augen von oben gesteuert. Wie Herr Vohburger Ihnen bestimmt mitgeteilt hat, sind sämtliche Unterlagen der WAA-Gegner zur Zeit im Staatsarchiv gelagert und können dort ein­gesehen werden. Tut uns leid, dass wir Ihnen nicht mehr helfen können!“

Die Winterers und ihre Liedlieferanten kamen damals vermutlich auch überhaupt nicht auf den Gedanken, ihre Anti-WAA-Lieder irgendwie auf Tonträgern festzuhalten. Mehr noch als bei vielen anderen der von uns zusammengetragenen Musiker und Musikgruppen zählte ihr damaliger musikalischer Einsatz zum „normalen Alltag“ der Gruppe, die ja im direkten Umfeld der geplanten WAA lebte. Und dieser „Alltag“ musste damals schlicht und einfach „bewältigt werden“ und schien seinerzeit schwerlich erinnernswert. Immerhin wurden einige der dama­ligen Lieder aber anlässlich der Vorstellung eines Liederbuchs mit historischen Liedern der Oberpfalz, die Manfred Langer und Alfred Wolfsteiner publiziert hatten, 2003 in einer Abend­schausendung des Bayerischen Fernsehens ausgestrahlt.

Sodann sollen auch die Lieder der Regensburger Folk-Formation „Anonym“ vorgestellt wer­den, wobei die Musiker der Gruppe zunächst fast ausschließlich historisch-politische Lieder des 18. und 19. Jahrhunderts im Repertoire hatten und sich – und hier sei vor allem Clemens M. Peters genannt – erst allmählich neuen Inhalten, so der WAA-Thematik zuwandten und einzelne Lieder dementsprechend aktualisierten, nachdem es ihnen vorher fast ausschließ­lich darum gegangen war, an demokratische (Lied-)Traditionen zu erinnern und auf amüsante Weise Geschichtsunterricht zu betreiben. „Anonym“ kann dabei bzgl. der Anfänge der For­mation als geradezu prototypisch für die damaligen Folkrevival-Gruppen angesehen werden, wie David Robb beschreibt: „For the Folk and Protest Song Movement of both East and West Germany, the song heritage of the Vormärz and the revolution of 1848 was a point of cultural and social identification- Two clear narratives emerge in these songs: first, that of rebellion linked to an utopian idealism, and second, that of defeat and retreat. (…) Almost 120 years after they werde first composed, played and sung, the Vormärz and 1848 songs were revived in the West German folk scene; a decade later they were revived in the West German folk sce­ne; a decade later they were revived once more in the GDR”. Und an anderer Stelle schrieb David Robb: „Verfolgt man die Geschichte des politischen Liedes in Deutschland, so ist seit den frühen sechziger Jahren ein erneutes Interesse an den Liedern des Vormärz und der Revolu­tion 1848 in Westdeutschland festzustellen. Die Faszination gerade an den 1848er-Liedern gründete an der Entdeckung von etwas Neuem: Einer Tradition oppositioneller Popularmusik. Beispiele dieser Liedtradition waren in Wolfgang Steinitz‘ Werk Deutsche Volkslieder demo­kratischen Charakters aus sechs Jahrhunderten vorgestellt worden8 oder man fand sie auf originalen Flugschriften oder in Archiven. Dort haben Sänger aus der Jugendbewegung wie Peter Rohland und die Brüder Kröher nach dem Zweiten Weltkrieg geforscht und sich daran gemacht, das verlorene Kulturerbe des deutschen Volksliedes, das von den Nazis missbraucht worden war, zurückzugewinnen“.